{"id":1658,"date":"2020-03-12T12:16:36","date_gmt":"2020-03-12T11:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/koge.ch\/?p=1658"},"modified":"2020-03-12T12:22:37","modified_gmt":"2020-03-12T11:22:37","slug":"klimaanpassung-ist-kein-abstraktes-konzept-sondern-rettet-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koge.ch\/en\/klimaanpassung-ist-kein-abstraktes-konzept-sondern-rettet-leben\/","title":{"rendered":"&#8220;Klimaanpassung ist kein abstraktes Konzept, sondern rettet Leben!&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1661 size-full\" src=\"https:\/\/koge.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pic.jpg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/koge.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pic.jpg 520w, https:\/\/koge.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pic-300x202.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/p>\n<p><strong>Zum Anlass des geplanten KoGe Kapitalisierungsworkshops zu Agro\u00f6kologie und Climate Adaptation in Kenia im Oktober 2020 habe ich Anna Abel von TearFund interviewt. Ihre Partnerorganisation setzt sich im S\u00fcdwesten Ugandas f\u00fcr integriertes Ressourcenmanagement ein. Mit grossem Erfolg, wie die Geschichte aus Nfasha aufzeigt. In diesem Blog erz\u00e4hlt uns Anna, wie Klimaanpassung von einem abstrakten Konzept zu einer greifbaren Realit\u00e4t geworden ist und Leben gerettet hat! <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0M<\/em><\/strong><strong><em>adeleine Bolliger (Koordinatorin KoGe): <\/em><\/strong><em>Eure Partnerorganisation in Uganda setzt unglaublich erfolgreich integrierte Wasserschutzprojekte gemeinsam mit der lokalen Bev\u00f6lkerung um. Welche Geschichte steht hinter diesem Erfolg?<\/em><\/p>\n<p><strong>Anna Abel (TearFund):<\/strong> Im dicht besiedelten Kabale im S\u00fcdwesten von Uganda sind die Wasserquellen weit von den D\u00f6rfern entfernt. Das Gebiet ist h\u00fcgelig, sehr steil. Die nat\u00fcrlichen Wasserressourcen sind zudem durch verschiedene Einfl\u00fcsse wie Klimawandel und Boden\u00fcbernutzung gef\u00e4hrdet. Diese negativen Entwicklungen haben dazu gef\u00fchrt, dass sich der Fokus unserer Partnerorganisation KDWSP (Kigezi Diocese Water and Sanitation Programme) in den letzten Jahren zu ver\u00e4ndern begann. KDWSP entschied: Wir wollen uns nicht mehr nur ausschliesslich um die Wasserversorgung k\u00fcmmern. In Zukunft wollen wir vielmehr auch daf\u00fcr sorgen, dass die Wasser-Ressourcen, aber auch andere nat\u00fcrliche Ressourcen, nachhaltiger genutzt werden und uns somit auch in Zukunft noch zur Verf\u00fcgung stehen. Dadurch wurde die Arbeit von KDWSP breiter.<\/p>\n<p><em>Wie muss man sich diese Entwicklung vorstellen? <\/em><\/p>\n<p>Im Grunde begann alles mit der Landwirtschaft. Im April 2014 fand der erste regionale KoGe Workshop der Fachgruppe Recht auf Nahrung zu Conservation Farming statt. KDWSP war damals dabei. Als etwas mehr als ein Jahr sp\u00e4ter ein Refresher Workshop organisiert wurde, hatte KDWSP bereits begonnen, Prinzipien der nachhaltigen Landwirtschaft und Agro\u00f6kologie in die Wasserprojekte miteinzubeziehen. Aber Landwirtschaft braucht auch Wasser. Gleichzeitig ver\u00e4ndert sich das Klima, was neue Risiken f\u00fcr die Landwirtschaft und die Wasserressourcen birgt. Ein <em>Weiter-wie-bisher<\/em> war nicht mehr m\u00f6glich. Es entstand der Wunsch, vermehrt zur Anpassung von Landwirtschaft und Ressourcenmanagement an den Klimawandel zu arbeiten. Die Frage war nur: Wie kann man so ein komplexes Thema anpacken? Hier kamen dann die Klima-Workshops von Brot f\u00fcr alle ins Spiel. Dort geht es um die Anwendung des sogenannten PACDR-Tools, dem \u00ab<a href=\"https:\/\/pacdr.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Participatory Assessment of Climate and Disaster Risks\u00bb<\/a>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Das ist eine partizipative Risikoanalyse, nicht wahr?<\/em><\/p>\n<p>Genau. Es geht um die Analyse der Klimarisiken und Naturgefahren in einem bestimmten Gebiet. Das Spezielle daran ist: Die Bev\u00f6lkerung wird bef\u00e4higt, diese Analyse selber durchzuf\u00fchren. Eine Woche lang werden in verschiedenen Gruppen Risiko-Karten der Umgebung gezeichnet, Klima und Umwelt-Risiken eingesch\u00e4tzt, Erfahrungen ausgetauscht. Am Schluss der Woche hat die lokale Gemeinschaft selbst eine Risikoanalyse durchgef\u00fchrt und kann geeignete Massnahmen zum Schutz und zur Minderung von Umweltrisiken ausarbeiten.<\/p>\n<p>Im ersten Klima-Workshop, der Ende 2014 stattfand, erlernte unsere Partnerorganisation, wie eine solche partizipative Risikoanalyse mittels PACDR Tool moderiert wird. <strong>Das Starke an dieser Erfahrung: KDWSP hat sich das Tool angeeignet. Nur wenn ein Partner eine starke eigene Motivation hat, sind solche Schulungen wirklich erfolgreich. Das war hier gegeben!<\/strong> Im Grunde hat das Training etwas Gr\u00f6sseres in Gang gesetzt, n\u00e4mlich den \u00dcbergang vom klassischen Wasserprojekt &#8211; das durchaus auch sehr partizipativ war, aber doch eher im Wasserbereich blieb &#8211; zum nachhaltigen Ressourcenmanagement!<\/p>\n<p><em>Du sagst, die lokale Partnerorganisation habe sich das Tool angeeignet. Wie ging es nach diesem ersten Klima-Training denn weiter?<\/em><\/p>\n<p>KDWSP entschied: In Wassereinzugsgebieten, wo man bereits eine Wasserversorgung aufgebaut hatte, aber wo zus\u00e4tzlich grosse Umweltrisiken wie Erosion, Hangrutsch, usw. identifiziert wurden, sollte die Arbeit durch ein Pilotprojekt im Bereich des integrierten Managements von Wasserressourcen (IWRM) erg\u00e4nzt werden. Auch neue Gebiete sollten von Massnahmen im Bereich des integrierten Managements von Wasserressourcen profitieren. Die Grundfrage von KDWSP war: Wie k\u00f6nnen wir die Bev\u00f6lkerung darin unterst\u00fctzen, ihre (Wasser-)Ressourcenbewirtschaftung nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig besser an den Klimawandel anzupassen? Und wie kann Landbewirtschaftung hierzu beitragen? Ab Mitte 2018 wurde der erfolgreiche IWRM Ansatz f\u00fcr eine neue Projektphase (2018 \u2013 2021) ausgeweitet und Komponenten des ehemaligen Wasserprojekts wurden darin integriert.<\/p>\n<p><em>Gibt es ein konkretes Beispiel f\u00fcr einen solchen Prozess? Wie muss man sich das vorstellen und was wurde konkret erreicht?<\/em><\/p>\n<p>Lass mich dir eine Geschichte erz\u00e4hlen. Es ist die Geschichte aus Nfasha im S\u00fcdwesten Ugandas, einem grossen Wassereinzugsgebiet, das rund 10 D\u00f6rfer mit insgesamt \u00fcber 10&#8217;600 Bewohnern umfasst. Unsere Partnerorganisation KDWSP hat dort von 2018 bis 2019 eine Projektintervention durchgef\u00fchrt \u2013 eine Sensibilisierungskampagne mit partizipativen Risikoanalysen mittels PACDR Tool. Aufgrund dieser Analysen entwickelten KDWSP zusammen mit der Bev\u00f6lkerung Risikomanagementpl\u00e4ne und lokal angepasste Massnahmenpakete, um in Zukunft besser vor Klimawandel und Naturgefahren gesch\u00fctzt zu sein. Die Dorfbewohner beteiligten sich aktiv bei der Umsetzung der Massnahmen. Dazu geh\u00f6rten etwa die Terrassierung der Steilh\u00e4nge, das Anpflanzen von Hecken zwischen den Terrassierungen sowie das Ausheben von Auffangbecken und Versickerungskan\u00e4len \u2013 alles Massnahmen, die bewirken, dass das Wasser langsamer und geordneter abfliesst. Gleichzeitig wurden zahlreiche Wasserquellen erschlossen und durch die Anpflanzung von B\u00e4umen gesch\u00fctzt und das Wasser \u00fcber Leitungen in die diversen D\u00f6rfer geleitet.<\/p>\n<p>Die Partnerorganisation stellte Umweltingenieure zur Verf\u00fcgung, die Arbeiten selbst wurden von der Bev\u00f6lkerung der verschiedenen D\u00f6rfer durchgef\u00fchrt. Sie organisierten sich, wechselten sich ab. Das hat die Menschen zusammengeschweisst. Die Partnerorganisation hat die Massnahmen auch noch bewusst mit Schulungen in Agro\u00f6kologie kombiniert. Der Anbau der Terrassen und die Landbewirtschaftung sollten nachhaltig sein. So wurden agro\u00f6kologische Anbaumethoden, (Wasser-)Ressourcenmanagement und die Anpassung an Klima und Umweltrisiken miteinander verbunden!<\/p>\n<p><strong>Als es im Herbst 2019 in Uganda starke Regenf\u00e4lle gab, war der S\u00fcdwesten besonders schwer betroffen. H\u00e4nge rutschten ab, H\u00e4user wurden zerst\u00f6rt, Menschen starben. Nicht aber in Nfasha! Hier, wo mit Hilfe der partizipativen Risikoanalyse ein integriertes, an den Klimawandel angepasstes Wasserressourcen-Management aufgebaut worden war, gab es nur minimale Sch\u00e4den.<\/strong> Traurigerweise waren viele D\u00f6rfer in der Umgebung von Nfasha stark betroffen. Dort gab es grosse Zerst\u00f6rungen, Menschen verloren ihre Ernte, ihre H\u00e4user \u2013 einfach alles. Der Schock sass tief, auch bei den Menschen in Nfasha. In der Folge stieg das Interesse und die Anfrage nach integrierten Wasserressourcenmassnahmen sprunghaft an. Das Momentum war riesig. Die Menschen hatten gesehen, dass Nfasha vorbereitet war und verschont blieb. Der Erfolg des Projektes sprach sich im ganzen S\u00fcdwesten von Uganda herum. Klimaanpassung war von einem abstrakten Konzept zu einer greifbaren Realit\u00e4t geworden: Zehn D\u00f6rfer waren dank konkreten Massnahmen weitgehend unversehrt geblieben!<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck weit haben die Trainings zu Klima und Agro\u00f6kologie unser ganzes Landesprogramm gepr\u00e4gt. Die Landwirtschaftskomponenten sind nachhaltiger geworden. Die Projekte beziehen die Anpassung an den Klimawandel mit ein.<\/p>\n<p>Wie du weisst, organisieren wir als KoGe Fachgruppe Recht auf Nahrung, in der ich f\u00fcr TearFund Mitglied bin, im Oktober 2020 einen Kapitalisierungsworkshop zu Agro\u00f6kologie und Climate Adaptation in Nairobi, Kenia. Ich werde unsere Partner von KDWSP bitten, dort ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/koge.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/KoGe-Blog-12_Klimaanpassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blog Nr. 12 als PDF<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Anlass des geplanten KoGe Kapitalisierungsworkshops zu Agro\u00f6kologie und Climate Adaptation in Kenia im Oktober 2020 habe ich Anna Abel von TearFund interviewt. Ihre Partnerorganisation setzt sich im S\u00fcdwesten Ugandas f\u00fcr integriertes Ressourcenmanagement ein. Mit grossem Erfolg, wie die Geschichte aus Nfasha aufzeigt. 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